Chronik

  

Ein "einmaliger" Verein und seine Geschichte

Sehr viele Dörfer in der Bundesrepublik Deutschland haben einen Landfrauenverein, doch nur in Bermuthshain gibt es seit nunmehr über 10 Jahren auch einen Landmännerverein. Wie es zu diesem schon vom Namen her besonderen Verein kam, hat seine besondere Bewandtnis. Es war schon zu etwas vorgerückter Stunde im August 1997, als einige Bermuthshainer Männer am Stammtisch des Gasthauses "Zum Goldenen Stern" zusammen saßen. Am selben Abend hatte eine Veranstaltung der Bermuthshainer Landfrauen stattgefunden, bei der die Männer nicht teilnehmen "durften". Karl Peppel aus Bermuthshain verkündete an dem besagten Abend, er werde aus diesem Grund einen "Landmännerverein" gründen. Diese Ankündigung war zunächst nicht ganz ernst gemeint. Als jedoch die Stammtischbrüder begannen, Karl Peppel auf diese Äußerung hin auszulachen, machte er "Nägel mit Köpfen" und startete unter den im "Goldenen Stern" Anwesenden eine Umfrage. Und plötzlich meldeten sich spontan nicht weniger als 43 Männer, die bereit waren, bei einem Landmännerverein "mit von der Partie" zu sein.

Schon am 29.08.1997 kam es im "Goldenen Stern" zur Gründungsversammlung, bei der 28 Gründungsmitglieder den Landmännerverein Bermuthshain aus der Taufe hoben. Karl Peppel, der Initiator, wurde zum ersten Vorsitzenden des Vereins gewählt. Bei der Gründungsversammlung wurde auch die Satzung verabschiedet, nach der es Hauptzweck ist, das "Brauchtum auf dem Lande" zu pflegen und zu fördern. Hieraus entwickelten sich verschiedene Ideen, die der Verein alsbald in Angriff nahm.

Am 08.02.1998 fand mit einem Schlittenfahren am Höllerich die erste Veranstaltung in der Vereinsgeschichte statt. Dieses wurde auch in den Folgejahren bis heute wiederholt, sofern die Wetter- und Schneelage "mitspielte". Am 13.06.1998 wurde auf dem Bermuthshainer Festplatz am Hochstättenweg ein Oldtimer-Traktor-Geschicklichkeitsfahren veranstaltet, verbunden mit einer noch kleinen Traktoren-Ausstellung. Daraus wurde dann im folgenden Jahr, am 06.06.1999, die Oldtimer-Traktor-Ausstellung auf dem Marktplatzgelände an der örtlichen Festhalle (Maschinenhalle). Bis 2003 noch mit dem Traktor-Geschicklichkeitsfahren verbunden, lockt diese Ausstellung seither alljährlich im Juni viele Besitzer historischer Landmaschinen und Besucher nach Bermuthshain.

Besonders bekannt wurde der Landmännerverein Bermuthshain in seinen Anfangsjahren jedoch durch ein "Gaudi-Event", das ebenfalls auf die Initiative von Karl Peppel zurückging. Es war dies der heute schon legendäre Bermuthshainer "Almabtrieb", der erstmals am 24.10.1998 und dann noch vier weitere Male stattfand. Frei nach alpenländischem Vorbild wurden etwa 25 bis 30 Rinder, die zuvor von den örtlichen Landfrauen prächtig geschmückt worden waren, zusammen mit einigen Ziegen vom "Hausberg" Höllerich über einen Kilometer bergabwärts ins Dorf getrieben. In den ersten beiden Jahren war die Maschinenhalle von Friedrich Karl Luft der Endpunkt des "Almabtriebs" und danach die große Festhalle am Marktplatz. Unzählige Zuschauer, oft sogar mehr als 1000 Personen, fanden an diesem Tag stets von nah und fern den Weg nach Bermuthshain. Der fünfte, und wie sich dann leider herausstellen sollte, letzte "Almabtrieb" am 12.10.2002 wurde sogar erstmals von Alphornbläsern begleitet.

Weiterhin machte sich der Verein dem Gemeinwohl nützlich, indem er am 05.04.1999 erstmals eine "Flursäuberungsaktion" in der Gemarkung Bermuthshain durchführte. Ebenso wurden und werden alljährlich im April ein Maibaum (Vereinsbaum) mit den Wappen der neun örtlichen Vereine und im Dezember ein großer Weihnachtsbaum an der Festhalle aufgestellt. Nach der ersten Oldtimer-Traktor-Ausstellung im Jahr 1999 erwarb der Landmännerverein Bermuthshain eine voll funktionsfähige historische Dreschmaschine der Firma "Ködel & Böhm" Lauingen (Donau) und präsentierte sie am 30.09.2001 im Rahmen eines Dreschfestes an der örtlichen Kulturscheune "Zum Wilden Mann" erstmals der Öffentlichkeit. Dieses wird seitdem jährlich wiederholt, zwischenzeitlich zu einem Hoffest mit anderen Teilnehmern wie Hufschmieden und Künstlern aus der Region erweitert.

Im Jahr 2003 hatte der Landmännerverein Bermuthshain leider mit einigen Unstimmigkeiten zu kämpfen. Der Vereinsgründer und Vorsitzende Karl Peppel legte sein Amt nieder und kehrte dem Verein den Rücken. Aus diesem Grund musste auch der alljährliche "Almabtrieb" eingestellt werden, hatte doch stets Karl Peppel die talabwärts getriebene Rinderherde gestellt. In der Jahreshauptversammlung Ende 2003 wurde schließlich Herbert Nies zum neuen ersten Vorsitzenden des Vereins gewählt und brachte die Bermuthshainer Landmänner wieder in ruhigeres Fahrwasser. Als Ersatz für den "Almabtrieb", den es auch in Zukunft wohl leider nicht mehr geben wird, fand zunächst ein Oktoberfest und findet seit 2004 alljährlich am dritten Wochenende im September das Bermuthshainer "Kartoffelfest" statt.

Am 30.04.2004 wurde von den Landmännern am Ortsausgang an der Festhalle ein großer Maibaum aufgestellt, geschmückt mit einem Maikranz und vor allem den Wappen sämtlicher Vereine aus Bermuthshain. Alljährlich zur Adventszeit tauscht dieser Vereinsbaum dann seinen Platz mit einem großen, beleuchteten Weihnachtsbaum, welcher ebenfalls im Jahr 2004 seine Premiere hatte.

Am 27.06.2004 nahm der Landmännerverein erstmals mit einem Motivwagen am Hessentag in Heppenheim teil. In den Jahren 2005 bis 2007 teilte man sich die Teilnahme am großen Hessentagsfestzug mit den Bermuthshainer Landfrauen, die bereits seit 1978 am Hessentag den Ortsteil Bermuthshain und die Großgemeinde Grebenhain repräsentiert hatten. Der Festwagen stand 2005 bis 2007 unter dem Motto "Bermuthshain - Dorf der Vereine". Am Hessentag 2008 in Homberg (Efze) nahm der Landmännerverein wieder ganz in eigener Verantwortung teil. Präsentiert wurde nun "Bermuthshain - das neue Dorf", nachdem von 1999 bis 2008 im Ortsteil die Dorferneuerung stattgefunden hat bzw. noch läuft. Die Teilnahme am Hessentag 2009 in Langenselbold stand unter dem Motto "Hessens erster Landmännerverein Bermuthshain grüßt den Hessentag". Auch am Jubiläums-Hessentag in Stadtallendorf im Jahr 2010 rollte der Festwagen der Landmänner wieder durch die Straßen der Gastgeberstadt.

Ursprünglich aus einer kuriosen "Bierlaune" heraus entstanden, hat sich der Landmännerverein Bermuthshain mittlerweile fest im örtlichen Vereinsleben etabliert. Fast 120 Mitglieder zählt man mittlerweile, die nicht nur aus Bermuthshain selbst oder den benachbarten Grebenhainer Ortsteilen, sondern sogar aus dem Rhein-Main-Gebiet kommen.